Tourist-Information
Verkehrsverein Rheingrafenstein e.V.

Berliner Straße 60
55583 Bad Münster am Stein-Ebernburg
Telefon 06708 - 641 78 0
www.bad-muenster-am-stein.de
Bad Münster am Stein - Ebernburg
Der Ort, der 1978 die Stadtrechte erhielt, liegt zwischen 108 und 320 Metern über dem Meeresspiegel. In seinen heutigen Grenzen ist er erst im Jahre 1969 im Zuge einer Verwaltungsreform aus den bis dahin selbstständigen Gemeinden Bad Münster am Stein und Ebernburg entstanden. Beide Stadtteile haben eine bewegte Vergangen-heit, die bis weit in die Vorgeschichte mit Spuren aus nahezu allen Zeitepochen zu-rückzuverfolgen ist.

Lesen Sie hier weiter
Die Geschichte der Ebernburg
Die Ebernburg soll im 11. Jahrhundert von den Saliern erbaut worden sein, wofür es jedoch keine Anhaltspunkte gibt. Der Grund, warum die Machthaber damals hier eine Burg erbauen ließen, ist recht ein-leuchtend, wenn man sich die strategisch überaus wichtige Schlüssellage der Ebern-burg am Schnittpunkt mehrerer wichtiger Heer- und Handelsstraßen vor Augen hält.

Lesen Sie hier weiter
Die Geschichte der Ebernburg

Die Ebernburg vor der Zeit der Sickinger
Die Ebernburg soll im 11. Jahrhundert von den Saliern erbaut worden sein, wofür es jedoch keine Anhaltspunkte gibt. Der Grund, warum die Machthaber damals hier eine Burg erbauen ließen, ist recht einleuchtend, wenn man sich die strategisch überaus wichtige Schlüssellage der Ebernburg am Schnittpunkt mehrerer wichtiger Heer- und Handelsstraßen vor Augen hält. Hier kreuzten sich die Straße Mainz - Trier mit den von Zweibrücken und Kaiserslautern kommenden Höhenstraßen, die dann nach Bingen oder über den Hunsrück nach den wichtigen Kultur- und Handelszentren am Rhein führten.

Seit 1214 war die Ebernburg im Besitz der Grafen von Leiningen. Bei einer Teilung der Leining- ischen Besitzungen wurde sie 1237 zum erstenmal urkundlich erwähnt. Sie ging 1313 in den Besitz der Raugrafen von der Altenbaumburg über, die sie 1347 an den Grafen von Sponheim verpfändeten und 1381 an ihn verkauften. Einer seiner Nachfolger, Graf Johann V., hatte infolge von alchimis-tischen Experimenten große Schulden und verpfändete daher die Ebern- burg für 1200 Gulden an Hans Winderbecher. Nach dem Tode Graf Johannes V. fiel die Grafschaft Sponheim und damit auch die Ebernburg an Kurpfalz, Baden und Veldenz. Den Veldenzer Anteil erhielt 1444 der Herzog von Zweibrücken.

Diese Besitzergemeinschaft erlaubte 1448 Reinhard von Sickingen, das Pfand, das inzwischen über Diether Knebel von Katzen- elnbogen an ihn gelang war, einzulösen. Die Ebernburg war nun zu vier Fünfteln im Besitz Reinhards von Sickingen, das andere Fünftel gehörte dem pfälzischen Kurfürsten, der 1482 auch dieses an Rheinhards Sohn Schweikhard abtrat und ihm für seine Verdienste als kurpfälzischer Amtmann in Kreuznach die Ebernburg als erbliches Lehen übertrug.
Wie man sieht, saßen die Sickinger erst seit wenigen Jahren auf der Ebernburg, als dort Franz von Sickingen am 2. März 1481 als einziger Sohn, des Schweikhard von Sickingen und der Margaretha von Hohenburg geboren wurde.

 

Die Zerstörung der Ebernburg 1523
Sein Tod leitete den Auflösungsprozess für ein halb territoriales Kunstgebilde ein, das nur durch den Willen und die Leistungen seines Herrn zusammengehalten und zu einem Anziehungspunkt antifürstlicher Kräfte ausgebaut worden war. Seine drei Söhne waren der Verantwortung und der Aufgabe, das Werk des Vaters zu erhalten und eventuell weiterzuführen, noch nicht gewachsen. So brach das Burgenterritorium Franz von Sickingens, das teils traditionelle, teils revolutionäre Momente besaß, zusammen.

Ein aggressives, von Fremdkräften abhängiges Stützpunktsystem, das in schnell wechselnde fürstliche Dienstverträge, die die kurpfälzische Lehensabhängigkeit de facto neutralisierten, und in ganerbschaftliche Burgen- und Rittervereinigungen eingebettet war. Eine kurzlebige Blüte ritterschaftlichen Denkens und Strebens war zu Ende, die Geschichte jedoch ging weiter. Denn die drei Fürsten gaben sich mit dem Tode Sickingens nicht zufrieden, sondern eroberten und zerstörten auch alle seine anderen Burgen und Schlösser (Drachenfels, Hohenburg/ Elsaß, Lützelburg/Elsaß, Steinkallenfels, Neuenbürg/Kreis Calw und Neudahn / Kreis Pirmasens). Als eine der letzten Burgen kam auch die Ebernburg an die Reihe.
Den Entschluss, zur Ebernburg zu ziehen, die von Ernst Schenk von Dautenberg verteidigt wurde, fassten die verbündeten Fürsten nach der Eroberung der Lützelburg.

In der Nacht vom 31.Mai zum 1. Juni 1523 kam es dann zur ersten kriegerischen Aktion. Die Fußtruppen der Verbündeten drangen in die Talsiedlung ein und schleppten alles, was nicht niet- und nagelfest war, weg. Der kleine Ort Ebernburg am Fuße des Schlossberges war nicht schwer zu nehmen, obwohl er durch eine Mauer geschützt war, denn die Bewohner hatten innerhalb der Burgmauern Zuflucht gesucht. Die Burgbesatzung wagte einen Ausfall, um die Plünderer zu vertreiben. Dabei wurde der Ort in Brand gesteckt und völlig zerstört.
Nun stand einem Sturm der Burg nichts mehr im Wege.
Nachdem inzwischen auch der Erzbischof seine Artillerie, die als schlagkräftigste des Reiches galt, in Stellung gebracht hatte, wurde am Morgen des 1. Juni die Beschießung in allen drei Schanzen mit Pauken und Trompeten feierlich begonnen. Doch die Befestigungen der Burg erwiesen sich als so stark, dass sie selbst nach fünfeinhalb Tagen stärkster Beschießung noch völlig intakt waren.

Von der Gegenwehr der Burgbesatzung wissen wir so gut wie nichts. Die Ausrüstung der Burg war jedoch für damalige Verhältnisse hervorragend. Daher dürfen wir annehmen, dass die Gegenwehr sehr heftig war. Wie lange die Burg wirklich standgehalten hätte, wenn die Besatzung ihren Entschluss, sich bis zum äußersten zu verteidigen, wahr gemacht hätte, das sei dahinge­stellt. Offenbar hatte sie es sich jedoch anders überlegt, weil von außen keine Hilfe zu erwarten war und man die Burgja nicht ganz zusam­menschießen lassen durfte, wenn man sie den Söhnen Franz von Sickingens erhalten wollte.

Deshalb bot der Burghauptmann Ernst Schenk von Dautenburg den Fürsten Übergabe-verhandlungen an, die am 6. Juni 1523 abgeschlossen wurden. Nachdem in den folgenden Tagen die Beute aufgeteilt worden war, zogen die Heere von Trier und Hessen am Vormittag des 11. Juni ab, Pfalzgraf Ludwig V. ließ am Nach­mittag die Ebernburg anzünden und zog dann ebenfalls ab. Erst 1542 wurde sie zusammen mit der Burg Nannstein und der Hohenburg den Sickingern zurückgegeben.

 

Wiederaufbau der Ebernburg und deren Schicksal bis 1794
Durch den Vertrag von 1542 zwischen Trier­Pfalz und den 3 Söhnen Franz von Sickingens gelangte die Ebernburg in den Besitz des jüngsten Sohnes Franz Conrad, der bald damit begann, die Ruine wieder aufzubauen. Nach dem Tode Franz Conrads (gestorben 1625) übernahm sein ältester Sohn Johann Schweikhard die Ebernburg. Dieser war in seiner zweiten Ehe mit der katholischen Margaretha von Hettesdorf verheiratet, die nach seinem Tod bis 1630 die Vormundschaft für den unmündigen Sohn Johann Arnold übernahm.

Im 30jährigen Krieg (1610) wurde die Burg unter dem weimarischen Offizier Reinhold von Rosen von den Franzosen überrumpelt. Größere Schäden blieben ihr dabei anscheinend erspart. Während der Regierungszeit Johann Arnolds verschlechterte sich das Zusammen-leben der Konfessionen.
Denn die Sickinger waren wieder zum Katholizismus übergetreten, um die Rückgabe ihrer Güter zu erreichen.
So ereigneten sich unter Johann Arnold die ersten Unterdrückungen der Evangelischen. Dieser Religionsstreit zog sich über lange Jahre hinweg und eskalierte in einem solchen Maße, dass Johann Arnold bei einem Tumult im Dorf 1660 durch einen Schuss getötet wurde. Sein Nachfolger wurde sein Sohn Franz Friedrich, der vorher jedoch den Ebernburgern schriftlich die freie Religionsausübung zusichern musste. 1688 wurde dann die Ebernburg im pfälzlichen Erbfolgekrieg von den Franzosen besetzt.

1697 gelang es dem Markgrafen von Baden, die Burg von den Franzosen zurückzuerobern. Am Ende desselben Jahres wurde der Friede zu Ryswijk geschlossen. Darin wurde festgelegt, dass die rechtsrheinischen Festungen Philippsburg, Kehl, Freiburg/Br. und Breisach erst dann an das Reich zurückgegeben würden, wenn die neu angelegten Festungswerke der Ebernburg geschleift würden. Im Juni 1698 wurde dann die Burg gesprengt.
Der nächste bekannte Sickinger war Carl Ferdinand (gestorben 1768), der sich zwischen 1746 und 1748 ein großes Residenzschloss baute. Das neue Schloss muss an der heutigen Schloßgartenstraße gelegen haben. Die Burg scheint nur notdürftig wieder aufgebaut worden zu sein. 1771 wurde dann ein Vertrag zwischen Kurpfalz, Baden und den Sickingern geschlossen, in dem sie die 1482 erblich verpfändete Herrschaft Ebernburg wieder den Inhabern der Grafschaft Sponheim übertrugen.
In den Revolutionskriegen nach 1789 wurde die Ebernburg stark beschädigt, das Talschloss wurde 1794 völlig zerstört.
Die Ebernburg wurde dann 1812 als französisches Dominialgut von der Gräfin Lauer erworben. In der Folgzeit diente sie den Ebernburger Bürgern als Steinbruch.

 

Stadtteil Ebernburg
Nach der ältesten sicheren Erwähnung übertrugen 1212 die Grafen von Saarbrücken aus ihrem Besitz zu Ebernburg die dortige Kirche dem Stift St. Cyriacus in Neuhausen bei Worms, dessen Schirmvögte sie waren. Die wechselvolle Besitzgeschichte von Burg und Ort weist als Herren aus: ab 1214 Grafen von Saarbrücken-Leiningen, ab 1312 Raugrafen, ab 1347 Grafen von Sponheim, ab 1437 Kurpfalz, Baden und Veldenz (ab 1444 Pfalz-Zweibrücken).

Seit 1448 gelangte die gesamte Herrschaft Ebernburg in den Pfand-, später Lehensbesitz der Sickinger, die sie erst 1750 und 1771 wieder an Kurpfalz abtraten. Nach der französischen Besatzung fiel Ebernburg nach 1815 der bayerischen Rheinpfalz zu.

Sowohl Burg als auch Dorf lagen ursprünglich an anderer, bisher nicht nachweisbarer Stelle - vielleicht um die ev. Johanneskirche. 1338 verpflichteten sich Kaugraf Ruprecht und Graf Johann von Sponheim-Kreuznach zum Neubau von Burg und Stadt an heutiger Stelle, was offenbar bis auf die Stadterhebung zur Ausführung kam. Seit 1482 erfolgte ein aufwändiger Ausbau der Burg mit Artilleriebastionen unter Schweikard und Franz von Sickingen. 1523 wurden Burg und Ort durch die gegen Franz verbündeten Fürsten erobert und verbrannt - ab 1542 von Franz' Söhnen wiederaufgebaut. Die Ebernburg diente als wichtiger französischer Stützpunkt in den Kriegen Ludwig XIV. Nach dem Frieden von Ryswijk 1697 musste sie größtenteils geschleift werden. 1840 begann der Wiederaufbau, zunächst als Gaststätte (nördlicher Bau). Seit 1914 ist die Burg im Besitz der Ebernburg-Stiftung und wird als ev. Familienferien- und Bildungsstätte, ländliche Heimvolkshochschule und Gaststätte genutzt.

Die erhaltenen Reste stammen weitgehend aus der Zeit Franz von Sickingens und seines Vaters. Gut erkennbar sind die halbrund vorspringenden Batterietürme und die Vorwerke an beiden Schmalseiten. Die Innenbebauung der Kernburg entstammt überwiegend der 2. Hälfte 20. Jh. - folgt aber weitgehend der alten beiden Schmalseiten und einem langrechteckigen Bau auf der Nordwestseite (1692 als Kelterhaus bezeichnet). Die Kapelle lag in der Nordecke über einem Tor des vom Ort heraufführenden Weges. Der früher bis zur Nahesohle reichende Brunnen im Burghof ist teilweise verschüttet. Mehrere Gewölbe und Gänge sind unterirdisch erhalten. Zahlreiche Wappensteine und Spolien, teils unbekannter Herkunft, sind über die Burg verteilt eingemauert.

Bedeutend sind die um 1640 datierten Holzreliefs mit. biblischen Szenen von einem Schrank aus der Trombachklause.

Der am 2. März 1481 auf der Ebernburg geborene Franz von Sickingen war im frühen 16. Jh. einer der berühmtesten und reichsten Söldnerführer. Zunächst als Amtmann zu Kreuznach im Dienst seines Lehensherrn, des Kurfürsten von der Pfalz, widmete er sich nach dem Tod seiner Frau 1515 der finanziell einträglichen Fehdeführung. Das notwendige Kapital lieferten ihm u.a. die Einnahmen aus den Bergwerken im Huttental. 1519 sicherte Franz mit seinen Truppen in Frankfurt die Wahl des Habsburgers Karl zum deutschen König gegen dessen Mitbewerber König Franz von Frankreich. 1523 fiel er bei der Beschießung seiner Burg Nanstein über Landstuhl durch die Fürstenallianz von Trier, Hessen und Pfalz. Von nachhaltiger Bedeutung bleibt seine Unterstützung für geisteswissenschaftliche Größen seiner Zeit, was der Ebernburg den Namen "Herberge der Gerechtigkeit" einbrachte. Außer dem Humanisten Ulrich von Hutten gewährte er auf der Burg mehreren Theologen Zuflucht, die später auch in anderen Regionen der Reformation zum Durchbruch verhalfen: Martin Bucer (Elsass, Hessen, England), Kaspar Aquila (Thüringen, Sachsen), Johannes Oekolampad (Basel, Oberdeutschland) und Johannes Schwebel (Pfalz-Zweibrücken). 1522 hielt Oekolampad in der Burgkapelle erstmals den Gottesdienst in deutscher Sprache und nach lutherischer Liturgie. Das Sickingen-Hutten-Denkmal auf halber Höhe des Burgberges erinnert im Pathos nationaler Begeisterung nach der Reichsgründung 1871 an den bekanntesten Sohn der Stadt.

Das 1889 von dem Kreuznacher Bildhauer Ludwig Cauer nach einem Entwurf von Carl Cauer geschaffene Bronzedenkmal gilt als bedeutendes Kunstwerk des deutschen Historismus.

 

Die Ebernburg heute...
In den nach den Zerstörungen des letzten Krieges wieder aufgebauten und inzwischen modernisierten und erweiterten Gebäuden ist seit über vierzig Jahren die Bildungsstätte Ebernburg als Ländliche Heimvolkshoch-schule für Jugend und Erwachsenenbildung untergebracht. Die Burganlage, im Besitz der Evangelischen Familienferien und Bildungs-stätte, Ebernburg- Verein e.V., umfasst 110 Betten in Einzel- und Doppelzimmern mit Dusche und WC, wie Lehrsäle und mehrere Gruppenräume.
Für die Freizeitgestaltung stehen Kaminzimmer, Weinkeller, Grillanlage und ein Kinderspiel-platz zur Verfügung.
Darüber hinaus gibt es in der unmittelbaren Umgebung viele Möglichkeiten zu interessanten Spaziergängen und Wanderungen.

Diese Seite wurde in 0.0080 Sekunden erstellt.
Letzte Aktualisierung am Donnerstag den 17. Juli 2014
 
MEM 2005 - 2014
© design by maurer-mg.de

jetzt Online: 2  |  Heute: 5  | Gestern: 93 | Gesamtbesucher: 476.391 | max. am Tag: 1.738